Schichtarbeit und demografischer Wandel

Zunahme der Schichtarbeit – ein Thema für Wirtschaft und Gesellschaft

Seit Ende der 1990er Jahre nimmt die Zahl der Beschäftigten mit atypischen Arbeitszeiten wie Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit kontinuierlich zu. Mehr als 3 Millionen Menschen arbeiten ständig oder regelmäßig zwischen 23.00 und 6.00 Uhr. Es ist zu erwarten, dass atypische Arbeitszeitformen infolge des technologischen und wirtschaftlichen Wandels und der Trends zur Flexibilisierung bzw. Entgrenzung der Arbeit zukünftig weiter zunehmen werden.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: BAuA (2016). Arbeitszeitreport Deutschland 2016, S. 47.

Wird Schichtarbeit nur in Industrie und Handwerk ausgeübt?

Schicht- und Nachtarbeit wird nach wie vor überwiegend von Männern in Industrie und Handwerk ausgeübt. Dennoch haben die atypischen Arbeitszeiten mittlerweile auch in typischen Frauendomänen wie im Dienstleistungssektor (Pflege, Gesundheit, Betreuung, Reinigungsgewerbe etc.) stark zugenommen: Seit Ende der 1990er Jahre hat sich die Zahl der weiblichen Beschäftigten im Schicht- und Nachdienst verdreifacht.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: BAuA (2016). Arbeitszeitreport Deutschland 2016, S. 48.

Welche gesundheitlichen Risiken kann langjährig ausgeübte Schichtarbeit bergen?

Vielleicht kennen Sie das aus Ihrem Betrieb: Mitarbeitende, die seit vielen Jahren in der Schichtarbeit eingesetzt sind, leiden mit der Zeit verstärkt unter gesundheitlichen Problemen. Dabei können ungünstige körperliche Arbeitsanforderungen, höhere Belastungen der Arbeitsumgebung und psychische Belastungen zu gesundheitlichen und psychosozialen Beeinträchtigungen und langfristig zu manifesten Erkrankungen führen.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: BAuA (2016). Arbeitszeitreport Deutschland 2016, S. 50.

Unterscheiden sich die Arbeitsbelastungen in frauen- und männertypischen Berufen?

In frauen- und männertypischen Berufen bzw. Branchen treten unterschiedliche Arbeitsbelastungen auf. Schichtarbeit wird dabei nach wie vor mit vorrangig von Männern ausgeübter, körperlich anstrengender Arbeit in der Produktion assoziiert. Beschäftigte in frauentypischen Berufen sind jedoch ebenfalls mit häufigen körperlichen Anforderungen oder ungünstigen Arbeitsbedingungen konfrontiert.
Psychische Belastungen, wie z. B. monotone Arbeitsaufgaben, Multitasking oder starker Termin- und Leistungsdruck, treten hingegen auch in typischen Männerberufen vermehrt auf. Die geschlechtsspezifische Betrachtung psychischer Belastungsfaktoren zeigt allerdings, dass Frauen häufiger durch Zeit-, Termin- und Leistungsdruck belastet sind, Männer hingegen eher durch gleichförmige Tätigkeiten und geringe Gestaltungsspielräume.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: BiBB/BAuA-Faktenblatt 21 Schichtarbeit ist nicht gleich Schichtarbeit 2012.

Wie verhält es sich mit der Work-Life-Balance von Schichtdienstbeschäftigten?

Die Lage und die Stabilität der Arbeitszeit ist der entscheidende Faktor für eine gelingende Ausbalancierung von Berufstätigkeit und privatem Leben. Dementsprechend weisen Beschäftigte in Wechselschicht mit Nachtarbeit bzw. in Dauernachtschicht die geringste Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance auf. Bei ‚klassischen‘ Arbeitszeiten zwischen 7 und 19 Uhr oder versetzten Arbeitszeiten fällt die Zufriedenheit der Beschäftigten mit der eigenen Work-Life-Balance deutlich höher aus.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: BAuA (2016). Arbeitszeitreport Deutschland 2016, S. 51.

Was haben Schichtarbeit und demografischer Wandel miteinander zu tun?

Vielleicht sind in Ihrem Betrieb auch die geburtenstarken Jahrgänge der „Babyboomer“ überdurchschnittlich stark vertreten. Dadurch kehrt sich das zahlenmäßige Verhältnis von Alt und Jung sukzessive um. Die Alterszusammensetzung in den Betrieben verändert sich somit infolge der demografischen Entwicklung.

Quelle: Statistisches Bundesamt 2015

Zwangsläufig altern auch die Beschäftigten im Schicht- und Nachtdienst. Tatsächlich hat sich die Zahl der über 50-jährigen Schichtarbeiter in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt.

Quelle: IAB-Kurzbericht 21/2013

Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand von Schichtdienstbeschäftigten im höheren Erwerbsalter?

Im Vergleich zu gleichaltrigen Normalarbeitszeitbeschäftigten weisen Schichtdienstbeschäftigte im höheren Erwerbsalter einen schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand auf, leiden häufiger unter Schlafstörungen sowie den Folgen ungesunder Ernährung (z. B. Übergewicht), die sich mangels körperlicher Ertüchtigung in der Freizeit verstärken können.

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an: IAB-Kurzbericht 21 „Schichtarbeit und Gesundheit“ 2013.

Welche Herausforderungen ergeben sich für Betriebe?

Wechselnde oder konstant atypische Arbeitszeiten in der Schicht- bzw. Nachtarbeit können zu Beeinträchtigungen auf der gesundheitlichen und sozialen Ebene führen. Darüber hinaus sind Schichtdienstbeschäftigte häufiger ungünstigen und damit belastenden physischen und psychischen Arbeitsbedingungen und Arbeitsumgebungs-faktoren ausgesetzt.

Die Belastungskumulation bei Schichtarbeit kann neben Einschränkungen in der Einsatzflexibilität auch zu einer gänzlichen Schichtuntauglichkeit führen. Je mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr oder nur bedingt in Schichtarbeit eingesetzt werden können, desto schwieriger wird zukünftig die Personaleinsatz- und Schichtplanung in Unternehmen. Folglich stellen sich neue Anforderungen an die Betriebe, Schichtarbeit gesundheitsgerecht und sozialverträglich zu gestalten, Aspekte von Work-Life-Balance zu berücksichtigen und Arbeitsplätze alternsgerecht einzurichten.